Snow

Von der Tafel ans Telefon


Juni 9, 2020    VFS

 

Von der Tafel ans Telefon: Der neue Alltag an den Fachschulen in der Corona-Krise

„Ich mag das Lernen zusammen mit meinen Mitschülern und den Lehrenden im Klassenzimmer, aber ich habe mich auf das neue System des Online-Unterrichts eingestellt“, sagt Harshith Gariga, 22, ein junger Bachelor-Absolvent aus Anantapur. „José Antonio, unser Koordinator für die Fachschulen, und alle Lehrenden sorgen dafür, dass alles reibungslos klappt. Unsere einzige Aufgabe ist es, an den Kursen teilzunehmen, zu lernen und die Hausaufgaben zu machen“, fügt er hinzu.
Nach seinem Bachelor-Abschluss in Elektronik und Telekommunikationstechnik wollte er seine Sprach- und Kommunikationsfähigkeiten verbessern, um seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Deshalb lernt er momentan Deutsch, arbeitet an seinen Englischkenntnissen und an seinen Soft Skills an einer der vier Fachschulen für Sprachen der Vicente Ferrer Stiftung in Indien (RDT).

Seit der Ausgangssperre werden die Kurse online durchgeführt – eine Umstellung, die für einige seiner Mitschüler eine Herausforderung darstellte. Harshith hat uns erzählt, wie es ihm und seinen Mitschülern ergangen ist:

Welche Auswirkungen hatte die Ausgangssperre auf den Unterricht an der Fachschule?
Harshith: Die größte Herausforderung ist es keinen persönlichen Kontakt mit den Lehrenden und meinen Mitschülern zu haben. Wir nähern uns dem Ende des Kurses und die letzten zwei Monate sind sehr wichtig, da wir in dieser Zeit viel zum Thema Soft Skills lernen, z. B. wie man sich in einem Vorstellungsgespräch verhält. An der Fachschule wäre es viel einfacher so etwas zu üben, weil ich eine direkte Rückmeldung von den anderen dazu bekommen würde, wie ich mich präsentiere und in welchen Bereichen ich mich verbessern könnte. Genau diese Art des Lernens fehlt jetzt, aber dafür lernen wir andere Fähigkeiten.

Welche Erfahrungen hast Du mit dem Lernen online gemacht?
Harshith: Es ist in Ordnung, aber ich würde lieber wieder in die Fachschule gehen. An der Fachschule habe ich mit meinen Freunden Sätze aus Telugu ins Deutsche übersetzt und umgekehrt. Wenn man zusammen ist, kann man so etwas gemeinsam angehen und es ist einfacher, mit seinen Freunden zu kommunizieren. Während der Ausgangssperre müssen wir regelmäßig 15 Minuten lang mit Freunden aus der Fachschule in der Sprache sprechen, die wir lernen. Wir haben also etwas Kontakt untereinander, aber ich vermisse die persönlichen Begegnungen.

Ist der Unterricht online schwierig? Welche verschiedenen Plattformen benutzt ihr?
Harshith: Ich musste erst lernen, wie der Unterricht online funktioniert. Am Anfang wusste ich nicht einmal, dass es diese Internetseiten und Apps gibt, die wir jetzt benutzen. Ich musste lernen, wie sie verwendet werden, wie ich meine Hausaufgaben hochladen kann usw., aber jetzt ist es einfach. Wir verwenden Google Classroom und Hangouts, Schoology und Zoom. Wir haben außerdem eine WhatsApp-Gruppe mit unseren Lehrern und Lehrerinnen, wo wir Fragen stellen und Probleme lösen können. Einige Schüler verwenden auch Apps wie HiNative, mit denen sie mit Muttersprachlern aus der ganzen Welt üben können. Andere nutzen Apps, die bei der Grammatik helfen oder Audio-Apps.

Wie ergeht es Deinen Freunden und Mitschülern in ihren in Dörfern?
Harshith:Einige von ihnen haben zu Hause keinen Internetzugang, deshalb müssen sie an öffentliche Plätze gehen, um an den Online-Kursen teilzunehmen, was in Zeiten der Ausgangssperre etwas schwierig ist. Außerdem müssen wir uns zeitlich mit unseren Lehrenden abstimmen und da die meisten von ihnen jetzt in Spanien sind, spielt der Zeitunterscheid eine Rolle. Wenn der Unterricht dann zwischen 15.30 und 17.30 Uhr stattfindet, ist es für die Mitschüler ohne Internetzugang zu Hause aufgrund der Hitze und des Wetters schwierig.

Wie geht es weiter? Und hast Du Pläne?
Harshith: Ich möchte gerne bei einer Firma arbeiten, die im Bereich Elektronik und Telekommunikation tätig ist, und deutsche Übersetzungen benötigt. Ich möchte mich in diesen beiden Bereichen weiter fortbilden. Wegen der Ausgangssperre konnten wir unsere B1-Prüfungen nicht wie geplant ablegen. Daher ist die ganze Situation noch ungewiss, aber wir haben gerade erfahren, dass wir Anfang Juli offizielle Prüfungen ablegen können. Der Countdown hat also begonnen.
Trotzdem möchte ich meinen Lehrerinnen und Lehrern danken. Aufgrund der Corona-Krise mussten sie in ihre Länder zurückkehren, aber sie unterrichten uns weiterhin mit viel Engagement. Unser Koordinator, Jose Antonio, sorgt dafür, dass wir im Lehrplan wie geplant vorankommen und dass es keine Hindernisse gibt.

 

Text: Felita Viegas, Übersetzung: Vicente Ferrer Stiftung in Deutschland



 




Mit einer Spende Armut in Indien bekämpfen
und Perspektiven schenken.

© RDT