Snow

Ein sicheres Zuhause nach der Flutkatastrophe


September 19, 2023    VFS

 

„Im Morgengrauen waren meine Hühner ungewöhnlich unruhig. Als ich hin ging, um nach dem Grund zu schauen, bemerkte ich, wie Wasser bereits als kleiner Strom die Straße entlang floss. Danach ging alles ganz schnell. Nur kurze Zeit später floss das Wasser auch durch unser Haus und die Schlafmatten meiner Kinder wurden von der immer stärker werdenden Strömung mitgerissen. Wir verließen dann so schnell wie möglich unser Zuhause, um uns in Sicherheit zu bringen. Als wir schließlich zurückkehren konnten, war alles weg. Unser Geschirr, die Kleidung, wichtige Dokumente, die wenigen Möbel, die wir besaßen. Alles ist mit dem Wasser verschwunden.“

Es ist der traurige Bericht von Ranjana*, einer Mutter, die bei den jüngsten Überschwemmungen mit 40 Todesopfern in Telangana im Süden Indiens ihren gesamten Besitz verloren hat. Sintflutartige Regenfälle haben Tausende Familien obdachlos gemacht. In den meisten Fällen wohnten die Familien in Hütten oder Häusern aus Lehm. Dem Monsun-Hochwasser hatten diese einfachen Behausungen nichts entgegenzusetzen.

Die Vicente Ferrer Stiftung in Indien (RDT) hatte bereits vor der Flut gemeinsam mit den Menschen vor Ort Pläne gemacht, 89 Familien mit dem Bau von robusten Häusern in der Region zu unterstützen. Die ausgewählten Familien gehören zu dem Stamm der Chenchu. Die Chenchu leben als Jäger und Sammler im weitläufigen Gebiet des Nallamala-Walds. Sie verbringen einen Großteil ihres Lebens im Wald unter freien Himmel und sind deswegen den Naturgewalten und der Ansteckung mit mückenübertragbaren Krankheiten, wie Malaria oder Dengue-Fieber, relativ schutzlos ausgeliefert. Allgemein gestaltet sich der Zugang zu medizinischer Versorgung oder Bildung aufgrund ihres Lebens in großer Abgeschiedenheit für die Chenchu sehr schwierig.

Allerdings hat sich das Leben der Chenchu ​​in den letzten Jahren bereits zum Besseren verändert. Die Vicente Ferrer Stiftung in Indien (RDT) arbeitet seit 2009 mit der Stammesgemeinschaft zusammen, um die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern und einen Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung zu ermöglichen. Die Stiftung unterstützt die Chenchu auch im Kampf um den Erhalt ihres Lebensraumes, dem Nallamala-Wald, der aus verschiedenen Gründen gefährdet ist.

So richten beispielweise Naturkatastrophen verheerende Schäden an, fordern Leben und lassen die Menschen mit Nichts zurück. Menschen, die wie die Chenchu in Naturräumen leben, sind am stärksten vom Klimawandel betroffen. Sie spüren die Veränderungen unmittelbar und müssen mit den Folgen leben.

Daher haben sich die Chenchu hilfesuchend an die Stiftung gewandt. Es ist wichtig die Chenchu mit dem Bau von Häusern zu unterstützen, damit sie vor Naturkatastrophen besser geschützt sind und nicht das Wenige, das sie haben, oder ihr Leben verlieren.

Glücklicherweise wird das Hausbauprojekt für die 89 Chenchu-Familien trotz der Flutkatastrophe wie geplant beginnen können. Das Bauvorhaben ist nun dringlicher als je zuvor, denn ein sicheres Zuhause kann den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten.

*Name zu Schutz der Person geändert.

 

Text : Raquel Artiles Gaillard | Übersetzung: Vicente Ferrer Stiftung in Deutschland



 




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