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Ein Traum, der nun Wirklichkeit ist


November 21, 2019    VFS

 

Von Anne Ferrer

In diesem Jahr feiert die Vicente Ferrer Stiftung ihr 50-jähriges Bestehen in Indien. 50 Jahre, in denen aus Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung Würde, Wandel und Gleichberechtigung werden konnte.

Als Vicente und ich 1969 in Anantapur ankamen, hatten wir weder Geld noch eine Stiftung oder ein Team. Wir waren zu viert: Ich, eine 21-jährige Journalistin, Vicente Ferrer und zwei Freiwillige, die Vicente noch aus Mumbai kannte. Viele Leute haben mich gefragt, warum wir alles hinter uns gelassen haben und mit Vicente nach Anantapur gekommen sind, um dort zu arbeiten.

Als Vicente und ich 1969 in Hyderabad ankamen, fragte uns Journalisten: „Wo wollen Sie mit Ihrer Arbeit beginnen?“ Vicente antwortete: „Sie kennen die Zustände in der Region hier besser als ich, sagen Sie mir, wo wir am meisten gebraucht werden.“ Die Journalisten sagten uns, dass in Andhra Pradesh Anantapur die ärmste Region sei, mit ständigen Dürren, hoher Migration und Armut. So sind wir nach Anantapur gekommen, in eine wüstenähnlichen Gegend, in der die Menschen nicht mal im Traum an ein besseres Leben oder eine bessere Zukunft für ihre Kinder dachten.

Vicente hatte eine klare Überzeugung, eine starke Vision und keinen Zweifel daran, dass die Umsetzung gelingen konnte. Er inspirierte uns drei Freiwillige im Jahr 1969, genauso, wie er im Verlauf der 50 Jahre Tausende weitere Menschen überzeugte und inspirierte:

1) Die Abschaffung extremer Armut und des Leidens in der Welt ist kein Traum. Es ist ein erreichbares Ziel. Wenn wir mit den Menschen vor Ort zusammenarbeiten und ihnen nach und nach helfen, können sie ihr Leben verändern.

2) Die Abschaffung extremer Armut kann nicht nur den Regierungen und den großen Institutionen überlassen werden. Jeder von uns muss Verantwortung übernehmen und einen Beitrag leisten, so gering er auch sein mag, um unsere Welt zu einem besseren Ort für alle Menschen zu machen.

Im vergangenen halben Jahrhundert habe ich gesehen, wie Vicentes Worte für Tausende Menschen Wirklichkeit wurden.

Ich möchte einige Zitate von Menschen hier in Anantapur über die Arbeit der Vicente Ferrer Stiftung und ihre eigene Entwicklung in den letzten 50 Jahren mit Ihnen teilen. Ich denke, die Menschen sprechen über die Veränderung in ihrem Leben auf eine Art, wie  ich es nicht könnte.

Der bloße Gedanke daran, dass die Vicente Ferrer Stiftung an unserer Seite ist, gibt uns Kraft.

Frauen führten das Leben von Sklavinnen, aber jetzt leben wir in Freiheit.

Von Vicente Ferrer und seiner Stiftung haben wir gelernt, wie wichtig es ist, zu teilen, zu geben. Auch, wenn es uns heute nicht gut geht, teilen wir das Wenige, was wir haben, mit denjenigen, denen es noch schlechter geht … So können wir das Leben dieser Menschen und Kinder etwas verändern und Ihnen helfen, ein besseres Leben zu führen.

„Wir haben nie geglaubt, dass sich unser Leben verändern könnte. Wir dachten, es sei für uns dasselbe wie für die Generationen vor uns … Jetzt sehen wir die Veränderung, wir fühlen die Veränderung, wir SIND die Veränderung …

Als ich diese Worte las, wurde ich an etwas erinnert, was Vicente vor vielen Jahren zu uns sagte: „Wir werden ruhig und beständig arbeiten. Es kann viele Jahre dauern, bis sich die Lebensbedingungen der Menschen verbessern, aber langsam werden sie sich aus der Armut befreien und ein würdiges Leben führen können, wie andere Menschen in der Gesellschaft.“ Die Worte der Menschen ließen mich spüren, dass genau das geschehen ist.

Wie Vicente einmal sagte: „Solange es Leiden auf der Welt gibt, wird die Stiftung weiterarbeiten.“ Und das ist unser Ziel für die nächsten 50 Jahre: Mehr Menschen zu erreichen und ihnen zu helfen, Veränderungen in ihrem Leben herbeizuführen.

 

 

Zur Autorin: 

Anne Ferrer kam mit 16 Jahren nach Indien. Sie arbeitete als Journalistin in Mumbai, lernte Vicente Ferrer während eines Interviews kennen und ließ sich von seiner Philosophie und Arbeit in Manmad inspirieren. Mit 21 Jahren kündigte sie ihren Job, um Vicente bei seiner Arbeit zu unterstützen. Gemeinsam gründeten sie 1969 den Rural Development Trust (Vicente Ferrer Stiftung Indien) in Anantapur. Derzeit ist Anne Ferrer Geschäftsführerin der Vicente Ferrer Stiftung Indien sowie Vorstandsvorsitzende der Fundación Vicente Ferrer in Spanien. Sie erhielt mehrere spanische und indische Auszeichnungen für ihre Arbeit und das Wirken der Vicente Ferrer Stiftung.



 




Mit einer Spende Armut in Indien bekämpfen
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