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Ein Haus für ein besseres Leben


Februar 6, 2020    VFS

 

Das Dorf Bidurukuntham ist eines von 59 Dörfern, in denen die Vicente Ferrer Stiftung zurzeit mehr als 1.000 neue Häuser für Familien baut. Die Häuser stellen für die zukünftigen Bewohner eine grundlegende Verbesserung ihrer Lebensbedingungen ihrem Leben dar. Sie schützen vor den starken Monsunregen und halten die Hitze in den Sommermonaten fern. Die Bewohner sind vor wilden Tieren sowie Überfällen sicher. Durch ein eigenes Haus bieten wir besonders Frauen, einen geschützten Raum für die persönliche Hygiene, so müssen sie dafür nicht länger das Dorf verlassen und sich Gefahren wie sexuellen Übergriffen aussetzen.

Das Besondere an den nun gebauten Häusern ist ihr neues Design, das gemeinsam mit den zukünftigen Bewohnern entwickelt wurde und so noch besser an deren Bedürfnissen und Gewohnheiten angepasst ist. Die Häuser sind einfach, aber robust konstruiert. Jedes Haus ist 49 qm² groß und verfügt über einen Wohnraum sowie eine separate Küche und einen Schlafraum. Von der Veranda geht eine Toilette mit Latrine ab. Die Häuser werden unter aktiver Beteiligung der gesamten Dorfgemeinschaft, mit technischer und finanzieller Unterstützung der Vicente Ferrer Stiftung, gebaut. Die Gemeinschaft hilft z.B. beim Entladen der Baumaterialien, beim Mauern und Dachdecken sowie dem anschließenden Streichen des Hauses.

Was ein Haus konkret für die Menschen vor Ort bedeutet, erzählt Suverma. Sie ist die Leiterin einer der Sanghams (Frauen-Selbsthilfegruppen) im Dorf. Suverma wohnt bereits in einem der 26 Häuser, welche die Stiftung 1997 errichtet hat. Damals konnten nicht mehr Häuser gebaut werden, da nicht ausreichend Baugrund vorhanden war. Das hat zur Folge, dass in den bestehenden Häusern bis zu 30 Familienmitglieder, jung und alt, auf 44qm² leben. So auch im Fall von Suverma. Sie berichtet, wie schwierig die Schlafsituation ist. Da nicht alle Familienmitglieder im Haus Platz finden, schlafen sie teilweise auf der Veranda, was in der Regenzeit nicht ohne weiteres möglich ist. Wenn an Feiertagen Verwandte von außerhalb des Dorfes zu Besuch kommen, ist es fast unmöglich für die Menschen sich im Haus aufzuhalten. Die hygienische Situation gestaltet sich sehr schwierig, wenn so viele Menschen auf einer sehr kleinen Fläche zusammenleben müssen. Suverma erzählt aber auch, dass es immer noch besser ist, mit 29 anderen Familienmitgliedern in einem Haus zu leben, als in Hütten der Witterung und gefährlichen Tieren fast ungeschützt ausgeliefert zu sein. Glücklicherweise ist eine Besserung der Situation in Sicht: Suverma’s Familie wird von den neugebauten Häusern drei Häuser erhalten, sodass sich ihre 30 Familienmitglieder künftig auf 4 Häuser verteilen können.

Der Weg zu den neuen Häusern war allerdings lang und beschwerlich. Es gab rund um das Dorf keine weiteren Bauflächen für neue Häuser, da die Grundstücke der Regierung gehörten. Den Zusammenhalt der Menschen in den Dörfern zu fördern und ihnen ihre kollektive Stärke bewusst machen, ist eine der wichtigsten Aufgaben, der Stiftung. So regt die Vicente Ferrer Stiftung in den Dörfern, in denen sie Hilfsprojekte durchführt, beispielsweise die Gründung von Sanghams (Selbsthilfegruppe für Frauen und Menschen mit Behinderung) an. Die Mitglieder der Sanghams tauschen sich über Probleme, Herausforderungen und Freuden im Alltag aus und geben sich gegenseitig Rückhalt. Die gegenseitige Unterstützung, die die Menschen in den Sanghams erfahren, ermutigt sie, gemeinsam Probleme anzugehen, die die ganze Dorfgemeinschaft betreffen. So auch in Bidurukuntham. Die Menschen aus dem Dorf schlossen sich zusammen, um gemeinsam dafür zu kämpfen, dass die Regierung die Flächen als Bauland zur Verfügung stellt. Schlussendlich und mit Hilfe von Mitarbeitenden der Stiftung waren sie erfolgreich und der Weg war frei für den Bau der neuen Häuser.

Ein sicheres und menschenwürdiges Zuhause zu haben, steigert das Selbstwertgefühl und das Zugehörigkeitsgefühl der Familien. Dies ist gerade für Gemeinschaften sehr wichtig, die in der Vergangenheit unter Diskriminierungen zu leiden hatten. Mit dem Ziel, Frauen zu schützen und zu stärken, werden die neuen Häuser außerdem im Namen der Frau der Familie gebaut. Auf diese Weise erhalten Frauen Eigentum und einen Vermögenswert: ein Privileg, das bislang nur den Männern vorbehalten war. Außerdem erlangen die Familien durch die Häuser erstmals Zugang zu den von der indischen Regierung bereitgestellten öffentlichen Dienstleistungen wie Strom und sauberem Trinkwasser.

Gemeinsam mit den Bewohnern haben wir bis März 2019 bereits 75.532 Wohnhäuser in verschiedenen Dörfern Andhra Pradeshs gebaut und weitere befinden sich bereits im Bau oder sind in Planung. Ein eigenes Haus zu bauen ermöglicht den Menschen den Start in ein besseres Leben. Dies ist nur mit der Hilfe unserer Spenderinnen und Spendern möglich, bei denen wir uns auch im Namen von Suverma herzlich bedanken.



 




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