Pravalika hat schon immer daran geglaubt, dass Bildung der Schlüssel zu einem besseren Leben ist – nicht nur für sie selbst, sondern auch für ihre Familie. Sie wuchs in Anantapur auf, wo ihre Mutter im Anantapur Sports Village der Vicente Ferrer Stiftung in Indien (RDT) arbeitete.

„Meine Mutter verließ jeden Morgen vor Sonnenaufgang das Haus, um die verschiedenen Sportstätten auf dem Gelände vorzubereiten“, erzählt Pravalika. „Ich sah, wie hart sie arbeitete, um uns ein besseres Leben zu ermöglichen. Eines Tages wollte ich in der Lage sein, sie unterstützen zu können.“ Pravalika wusste, dass Bildung dafür von essenzieller Bedeutung sein würde, doch der Familie fehlten die finanziellen Mittel, um ihr ein Studium zu ermöglichen. Daher entschied sie sich, an der Auswahlprüfung für das Studienstipendium der Vicente Ferrer Stiftung in Indien (RDT) teilzunehmen. Dank ihres Fleißes und ihrer herausragenden Leistungen erzielte sie 2015 das zweitbeste Prüfungsergebnis und sicherte sich damit eines der begehrten und hart umkämpften Stipendien.
Doch der Übergang von der Sekundarschule, an der ihre Muttersprache Telugu gesprochen wurde, auf eine englischsprachige, universitätsvorbereitende Fachoberschule stellte sie vor große Herausforderungen. „Ich hatte Mühe, dem Unterricht zu folgen. Meinen Mitschülerinnen und Mitschülern schien alles so leicht zu fallen“, erinnert sie sich. Doch Pravalika gab nicht auf: Sie verbrachte unzählige Stunden damit, ihre Unterrichtsnotizen zu übersetzen und ihr Englisch zu verbessern. Ihr Fleiß und ihre Beharrlichkeit zahlten sich aus: Am Ende der 12. Klasse – kurz vor dem Übergang zur Universität – gehörte sie zu den Besten ihres Jahrgangs.

Angetrieben von dem Wunsch nach einer selbstbestimmten und sicheren Zukunft entscheid sich Pravalika für ein Bachelor-Studium im Bereich Bauingenieurwesen am Andhra Loyola College, Indien. Doch in ihrem ersten Jahr an der Uni musste sie einen großen Verlust verkraften: Ihr Vater starb. „Es war eine sehr schwierige Zeit, aber ich habe mir ein Beispiel an meiner Mutter genommen, die trotz allem weitergemacht hat. Sie war mein Halt in der Zeit“, erinnert sich Pravalika.
Nach dem Bachelor-Abschluss bewarb sie sich erfolgreich für ein Masterstudium in Bauingenieurwesen am JNTU College in Anantapur. Aufgrund der finanziellen Unterstützung durch das Studienstipendium der Stiftung konnte sich in Pravalika, wie bereits in den Jahren zuvor, voll und ganz auf ihr Studium konzentrieren und so sehr gute Leistungen erzielen. Jedes Jahr vergibt die Vicente Ferrer Stiftung in Indien (RDT) 350 Studienstipendien an junge Menschen wie Pravalika, für die es ohne Stipendium nicht möglich wäre, ein Studium zu absolvieren.
Während ihres Masterstudiums belegte Pravalika ebenfalls einen Deutschkurs an der Fachschule für Sprachen der Vicente Ferrer Stiftung in Indien (RDT). „Deutsch zu lernen war spannend. Es war eine Herausforderung für mich und hat meinen Horizont erweitert“, sagt sie. So konnte sie ihrem Lebenslauf neben den fachlichen Qualifikationen durch das Studium nun auch noch wertvolle Sprachkenntnisse hinzufügen.
„Da der Sprachkurs zu Corona-Zeiten als Online-Kurs stattfand, erhielt ich von der Stiftung einen Laptop, den ich benötigte, um am Deutschunterricht teilzunehmen. Der Laptop hat mir auch später bei der Fertigstellung meiner Abschlussarbeit sehr geholfen“, erzählt sie.

Nach dem erfolgreichen Master-Abschluss sicherte sich Pravalika einen gutbezahlten Job bei einem multinationalen Unternehmen in der Stadt Hyderabad. Das war für Pravalika und ihre Familie ein großer Meilenstein.
„Ich kann jetzt meine Mutter unterstützen, die immer alles für mich und meinen Bruder getan hat“, sagt sie.
Pravalikas Geschichte im Video:
Text: Namratha Rao Übersetzung: Vicente Ferrer Stiftung in Deutschland
Mai 14, 2025
VFS