Langanhaltende Dürren, sinkende Grundwasserspiegel und fehlende Einkommensmöglichkeiten bestimmten lange Zeit das Leben im Dorf Papampalle im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh. Die Landwirtschaft war fast vollständig von Niederschlägen abhängig, Brunnen fielen regelmäßig trocken und viele Familien sahen sich gezwungen, außerhalb des Dorfes nach Arbeit zu suchen.
Mit der Eco Village Initiative der Vicente Ferrer Stiftung in Indien (RDT) begann ein grundlegender Wandel. Das Programm verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem Wasser, Boden, Landwirtschaft, Umwelt und die Lebensgrundlagen der Menschen als eng miteinander verbundene Bereiche betrachtet werden. Ziel der Eco Village Initiative ist es, natürliche Ressourcen wiederherzustellen und den Dorfgemeinschaften langfristige Perspektiven zu schaffen.

Im Mittelpunkt stand zunächst die nachhaltige Sicherung der Wasserversorgung. In Papampalle wurden Versickerungsbecken und ein Staudamm errichtet, die gemeinsam jährlich mehr als 220.000 Kubikmeter Regenwasser speichern können. Dadurch stieg der Grundwasserspiegel, Brunnen führten wieder Wasser und Wasser zum Bewässern der Felder und zum Trinken verbesserte sich über das ganze Jahr hinweg. Ergänzend wurden Erdwälle angelegt, um Bodenerosion zu verhindern und Feuchtigkeit im Boden zu speichern.
Parallel dazu erhielten die Landwirtinnen und Landwirte Schulungen zu ökologischen Anbaumethoden, Anbauplanung, Gartenbau und wassersparenden Bewässerungssystemen wie der Tröpfchenbewässerung. Die Felder wurden vielfältiger genutzt: Neben traditionellen Feldfrüchten werden heute auch Gemüse und Obst angebaut. Mehrere Ernten pro Jahr sind inzwischen möglich und machen die Landwirtschaft widerstandsfähiger gegenüber Klimaschwankungen.
Ein weiterer Baustein des Projekts ist die Schaffung zusätzlicher Einkommensquellen. Im Rahmen der Maßnahmen zur Dürrevorsorge wurde unter anderem die Milchviehhaltung gefördert. Heute profitieren in Papampalle 1.148 Menschen direkt oder indirekt von den verschiedenen Maßnahmen des Programms.
Besonders wichtig für den langfristigen Erfolg ist die aktive Beteiligung der Dorfgemeinschaft. Selbsthilfegruppen (Sanghams) und Komitees für ökologische Entwicklung übernehmen Verantwortung für Planung, Umsetzung und Erhalt der Maßnahmen. So entstehen Lösungen, die von den Menschen vor Ort getragen und langfristig weitergeführt werden.
Seit dem Start der Eco Village Initiative im Jahr 2017 wurden rund 160 Dörfer in das Programm aufgenommen. Alle fünf Jahre kommen weitere Dörfer in unserem Projektgebiet hinzu.
Allein in Papampalle konnten durch das Projekt rund 146 Hektar landwirtschaftliche Fläche wieder nutzbar gemacht werden. Heute sind 116 Bohrbrunnen dank des gestiegenen Grundwasserspiegels funktionsfähig, und Bewässerungsanlagen versorgen rund 45 Hektar Ackerfläche. Das Eco Village-Projekt zeigt, wie integrierte Maßnahmen zum Wasser- und Bodenschutz nicht nur die Landwirtschaft stärken, sondern auch den Menschen neue Zukunftsperspektiven in ihrer Heimat eröffnen.
Text: Mathusree Menon und Vicente Ferrer Stiftung Deutschland
August 16, 2026
VFS