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Das Leben der Chenchus in den Wäldern


August 9, 2019    VFS

 

Ehrlichkeit, Entschlossenheit und Selbstvertrauen sind drei Eigenschaften, die Pushpa, die neu ernannte Regionaldirektorin der Region Srisailam, auszeichnen. Pushpa arbeitet seit mehr als 20 Jahren für die Vicente Ferrer Stiftung in Indien (RDT). Sie ist zuversichtlich, dass alles möglich ist, wenn die Stiftung und die lokalen Behörden ihre Anstrengungen bündeln und zusammenarbeiten.

Seit 2009 arbeitet die Vicente Ferrer Stiftung in Indien (RDT) in der Region Srisailam mit den Chenchus, einer indigenen Stammesgemeinschaft, zusammen. Die Chenchus leben seit Jahrhunderten tief im Nallamala-Wald. Sie ernähren sich von Früchten, Wurzeln und Honig. Kilometerlange Wanderungen auf schlecht erschlossenen Wegen, um kleine verlorene Dörfer mitten im Wald zu besuchen, gehören heute zu Pushpas Alltag. Sie kann Einiges über das Leben der Chenchus berichten.

Wie würden Sie die Chenchus beschreiben?

„Die Chenchus sind einfache und ehrliche Menschen mit einem großen Herzen. Sie sind mental sehr stark, weil sie unter harten Bedingungen leben. Trotz aller Schwierigkeiten leben sie ihr Leben in den Wäldern im Einklang mit der Natur, wie sie es bereits seit Jahrhunderten tun. Dort fühlen sie sich wohl und frei. Sie haben mehr Angst vor Städten als vor wilden Tieren. Die Situation der Chenchus ist heute vergleichbar mit dem Leben der Menschen in der Region Anantapur vor 50 Jahren.“

Pushpa, Regionaldirektorin von Srisailam

Was sind die größten Herausforderungen?

„Es muss noch viel getan werden, aber für mich stehen Gesundheit und Bildung an erster Stelle. In den meisten Dörfern gibt es keinen ausreichenden Zugang zu sanitären Einrichtungen, Trinkwasser oder Nahrungsmitteln. Die regulären Hilfsprojekte der Vicente Ferrer Stiftung in Indien (RDT) erreichen die Menschen aufgrund der geographischen Abgeschiedenheit nicht wirklich.

Aus diesem Grund bilden wir regionale Gesundheitsberaterinnen aus, die in die Dörfer gehen, um Bewusstsein für Ernährung, Gesundheit von Säuglingen und Müttern zu schaffen sowie Schwangere, ältere Menschen und Menschen mit chronischen Krankheiten zu betreuen. Wir betreiben auch eine kleine Klinik in Mannanur und es gibt zwei mobile Kliniken mit einem Arzt und einer Krankenschwester, die jeden Tag drei oder vier Dörfer anfahren.

 Bezogen auf Bildung ist das Haupthindernis die schlechte Erreichbarkeit. In vielen Dörfern gibt es eine Schule, aber nicht immer kommen die Lehrer dort an. Die Kinder besuchen die Schulen auch nicht regelmäßig, da Schulbesuche noch nicht zu ihren Gewohnheiten gehören. Die Familien sind sich der Bedeutung von Bildung nicht bewusst.“

Was ist mit der Situation von Frauen?

„Chenchu-Frauen sind stark und verfügen über hervorragende Führungsqualitäten. Aber auch bei den Chenchu-Frauen gibt es Möglichkeiten der Verbesserung. Wir arbeiten daran, dass Bewusstsein zu schärfen und Chancen für Frauen zu schaffen. Vor zwei Jahren begannen wir, Sanghams (Selbsthilfegruppen) für die Frauen zu organisieren, und nach und nach nahm die Beteiligung zu. Alkoholismus ist ein weiteres Problem. Positiv ist, dass verheiratete Chenchu-Frauen die Möglichkeit haben, sich von ihrem Partner zu trennen und ein Leben mit einen neuen Partner zu beginnen. Das ist in vielen ländlichen Gebieten in Indien nicht ohne weiteres möglich.“

 

Mobile Klinik in Srisailam

Wie stimmen Sie sich mit der lokalen Regierung und Verwaltung ab, um die Situation der Menschen zu verbessern?

„Wir können nicht alles machen. Wir arbeiten mit der Tribal Development Agency und den Regierungen von Andhra Pradesh und Telangana zusammen. Wir wollen ja nicht dieselben, bereits abgeschlossenen Hilfsprojekte wiederholen, sondern Unstimmigkeiten identifizieren und Unterstützung leisten, wo diese benötigt wird. Mit vereinten Kräften können wir mehr erreichen.“.

Und dafür ist das Vertrauen, das die Chenchus in die Vicente Ferrer Stiftung in Indien (RDT) haben, der Schlüssel?

„Ja, als wir 2009 hier anfingen, vertrauten uns die Chenchus nicht. Durch ständige Besuche in den  Dörfern und dadurch, dass wir unermüdlich den Dialog gesucht haben, um ihre Bedürfnisse abzufragen und die Hilfsprojekte zu starten, begannen sie langsam, unsere Arbeit zu verstehen und wert zu schätzen. Jetzt haben sie großen Respekt vor uns und sie nähern sich uns an. Einige Chenchus haben auch schon Dörfer in Anantapur besucht, um von den Erfahrungen anderer Gemeinschaften zu lernen.“

 

 

Text: Oriol Petit and Aina Valldaura, Übersetzung: Vicente Ferrer Stiftung in Deutschland



 




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