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Yoga als Weg zur Überwindung von Diskriminierung


Juli 22, 2024    VFS

 

In ländlichen Bukkarayasamudram, fernab des hektischen Stadtlebens, findet in der inklusiven Sekundarschule für Kinder mit Sprach- und Hörbeeinträchtigung eine stille Revolution statt. T. Lakshmi* und 220 ihrer Mitschülerinnen und -schüler nutzen Yoga, um nicht nur ihre körperliche Gesundheit zu verbessern, sondern auch ihr Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl zu stärken.

Lakshmi leitet ihre Klassenkameraden an.

Yoga, bekannt für seine positiven Auswirkungen auf Kraft, Gleichgewicht und Flexibilität, bietet den Kindern der inklusiven Sekundarschule der Vicente Ferrer Stiftung in Indien (RDT) noch viel mehr: Es ist ein Mittel zur Stressbewältigung und Entspannung, und in dieser speziellen Schule wirkt es zudem als starkes Werkzeug gegen Diskriminierung. Lakshmi, eine der engagierten Schülerinnen, zeigt dies eindrucksvoll. Mit einem sanften Lächeln und einer bemerkenswerten Gelassenheit führt sie ihre Mitschüler durch Atemübungen und Körperhaltungen. „Yoga zu praktizieren bringt das Blut in meinem Körper zum Fließen, wärmt meine Muskeln und stärkt sie. Es hilft mir auch, meine Konzentration zu verbessern. Aber darüber hinaus fühle ich mich dadurch selbstbewusster, stärker und glücklicher“, erklärt sie in Gebärdensprache.

Die eigenen Gedanken über Handgesten des Yogas vermitteln.

Saroja*, ihre Lehrerin, interpretiert Lakshmis Handgesten und ergänzt: „Das Leben mit einer Behinderung ist nicht einfach. Diese Kinder haben eine schwere Kindheit hinter sich. Da sie nicht hören können, was um sie herum geschieht, fühlen sie sich oft isoliert. Alles, was wir tun können, ist, hart daran zu arbeiten, ihnen die Mittel zu geben, damit sie mit Selbstvertrauen und Sicherheit aufwachsen können.“

Eine besondere Beziehung durch Yoga.

Mit Yoga zur Überwindung von Diskriminierung

Saroja kennt die Schwierigkeiten des Lebens nur zu gut. Ihr Mann ist seit Jahren gelähmt, und neben ihrer Arbeit und der Betreuung ihrer Kinder sorgt sie allein für den Lebensunterhalt der Familie. „Ich weiß, wie sich Diskriminierung auf Menschen auswirken kann. Deshalb arbeite ich so gerne hier. Ich habe eine besondere Verbindung zu diesen Kindern, fast wie eine Mutter zu ihren eigenen“, sagt sie.

Für Lakshmi ist die inklusive Schule mehr als nur ein Ort des Lernens. „Seit ich ein kleines Mädchen war, bestand meine Familie aus meiner Mutter und meinen Geschwistern; mein Vater ist schon vor langer Zeit gegangen. Jetzt sind meine Mitschüler auch meine Familie“, gesteht sie.

Yoga, eine harmonische Verbindung von Körper, Seele und Geist

Indien, das Land des Yoga und der Spiritualität, ist gleichzeitig eine Gesellschaft, die stark von patriarchalen Strukturen geprägt ist. Mädchen wie Lakshmi stehen daher oft vor doppelter Diskriminierung – aufgrund ihres Geschlechts und ihrer Behinderung. „Wir müssen ihre Bildung, Kreativität und ihr Selbstwertgefühl weiter fördern, damit sie in Zukunft auf eigenen Beinen stehen können“, betont Saroja.

Trotz aller Herausforderungen bleibt die Yogapraxis ein Höhepunkt des Tages für die Schülerinnen und Schüler sowie für ihre Lehrerin. Es ist ein Moment des Abschaltens und der inneren Verbindung, des Loslassens von Sorgen und des Findens von Ruhe. Langsame Bewegungen, tiefe Atemzüge und entspannte Muskeln schaffen eine Atmosphäre des Vertrauens und der Gemeinschaft – ein kleiner Schritt in Richtung einer besseren Zukunft.

Abschalten, um sich wieder zu verbinden, den Geist entspannen und loslassen, was nicht kontrolliert werden kann.

 

*Name zum Schutz der Personen geändert.

 

Text: Katia Álvarez Charro   Übersetzung: Vicente Ferrer Stiftung in Deutschland



 




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