
Shilpamma, eine inspirierende Frau aus einem kleinen Dorf in Südindien, hat nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das der gesamten Dorfgemeinschaft nachhaltig verändert. Durch einen Mikrokredit und Workshops der Vicente Ferrer Stiftung in Indien (RDT) hat sie sich eine eigene Lebensgrundlage geschaffen. Gemeinsam mit ihrem Mann besitzt sie zwei Milchkühe, die täglich 15 Liter frische Milch liefern. Doch ihre Geschichte ist weit mehr als die einer selbständigen Bäuerin. Sie ist die Geschichte von Entschlossenheit, harter Arbeit und dem Willen, ihre Dorfgemeinschaft aus der Armut und Abhängigkeit von unvorhersehbaren Regenfällen zu befreien.
Arbeit im Stall und für die Dorfgemeinschaft
Shilpamma begann ihren Tag stets im Morgengrauen. Noch bevor die Sonne aufgeht, beginnt sie ihr Tagwerk. Während ihr Mann den Stall reinigt, die Kühe melkt und das Feld bewässert, macht sich Shilpamma auf den Weg, um die Milch auf dem Markt zu verkaufen. Doch ihre Arbeit endet nicht dort. Sie ist auch eine engagierte Leiterin: Als Vorsitzende des Sanghams (Frauen Selbsthilfegruppe) ihres Dorfes und der Molkereigenossenschaft unterstützt sie 90 Familien, die durch den Milchverkauf und die Landwirtschaft ihr Einkommen sichern. Shilpamma ist überzeugt, dass wahre Stärke in der Zusammenarbeit der Dorfgemeinschaft liegt, und setzt sich dafür ein, anderen den Zugang zu Ressourcen und Wissen zu erleichtern.

Mit Ökolandbau zu einem besseren Leben
Einen entscheidenden Wendepunkt in Shilpammas Leben markierte die Einführung ökologischer Landbaumethoden und nachhaltiger Bewässerungssysteme durch die Unterstützung der Stiftung. Der Bau eines Reservoirs und eines Tröpfchen-Bewässerungssystems ermöglichte es ihrer Familie und den Dorfbewohnern, Wasser effizienter zu nutzen und damit unabhängiger vom Wetter zu werden. „In unserer Region kommt es zu vielen Dürren. Der Boden ist trocken und die Pflanzen leiden am Wassermangel. Vorher hatten wir nicht genug Wasser, um unsere Felder zu bewässern, aber heute sind wir nicht mehr so stark vom Regen abhängig und haben keine Angst mehr vor Dürren“, berichtet Shilpamma voller Stolz. Das gespeicherte Wasser aus dem Reservoir fließt nicht nur zu ihren Feldern, sondern versorgt das gesamte umliegende Land, wodurch viele Familien profitieren.
Mit dieser Unterstützung wagte Shilpamma den nächsten Schritt: den ökologischen Landbau. Sie baut nun ihr eigenes Gemüse an. Diese Selbstversorgung sichert nicht nur die Ernährung ihrer Familie, sondern ist auch eine zukünftige, zusätzliche Einkommensquelle. Sie beschreibt ihren Alltag mit einem Lächeln: „Mein Mann und ich fangen sehr früh an. Während einer von uns den Stall reinigt und die Kühe melkt, kümmert sich der andere um den Verkauf oder bewässert die Felder. Es ist harte Arbeit, aber sie lohnt sich.“
Eine starke Frau für eine starke Dorfgemeinschaft
Die positiven Auswirkungen ihrer Bemühungen sind im ganzen Dorf spürbar. Die nachhaltige Nutzung von Ressourcen hat den Gemeinschaftssinn gestärkt und die Lebensqualität der Bewohner verbessert. Besonders die Frauen des Dorfes, die in Selbsthilfegruppen organisiert sind, profitieren von Shilpammas Erfahrung und Führung. Sie inspiriert sie dazu, sich aktiv an der Landwirtschaft und der Führung ihrer Haushalte zu beteiligen. Für viele ist sie ein Vorbild, das zeigt, dass Veränderung möglich ist, wenn man sie entschlossen anpackt.
Doch Shilpamma träumt von noch Größerem. Ihre Vision ist es, die Felder ihrer Familie weiter auszudehnen, die Produktion zu steigern und Nahrungsmittel nicht nur für den Eigenbedarf, sondern auch für den Verkauf anzubauen. Damit möchte sie nicht nur das Einkommen ihrer Familie erhöhen, sondern auch dazu beitragen, ihre Gemeinschaft langfristig unabhängiger und wirtschaftlich stabiler zu machen.
Shilpamma hat es geschafft, aus bescheidenen Verhältnissen heraus eine nachhaltige und vielversprechende Zukunft für sich und ihr Dorf aufzubauen. Ihre Geschichte ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie Mut, Zusammenarbeit und der Glaube an eine bessere Zukunft ganze Gemeinschaften verändern können. Sie zeigt uns, dass eine einzelne Frau mit ihrer Entschlossenheit und ihrem Einsatz Berge versetzen kann – und das Leben vieler Menschen nachhaltig verbessert.
Text: Vicente Ferrer Stiftung in Deutschland und Katia Álvarez Charro
März 3, 2025
VFS