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Mit Optimismus und Bildung in eine bessere Zukunft


Januar 6, 2022    VFS

 

Wie kann man optimistisch in die Zukunft blicken, wenn man schon als Kind so viel Leid ertragen musste, wie Naga und Srinath Reddy*? Die beiden Brüder hatten eine schwierige Kindheit: Ihr Vater war Alkoholiker und arbeitete als Lastwagenfahrer, ihre Mutter als Tagelöhnerin. Wegen der Alkoholabhängigkeit des Vaters gab es oft Streit zwischen den Eltern. „Es ist schwer, mich an glückliche Zeiten aus meiner Kindheit zu erinnern, da es fast keine gibt“, sagt Naga.

Alkoholismus hat schon viele Familien zerstört, so auch die von Naga und Srinath. Irgendwann hielt die Mutter den Streit und die häusliche Gewalt nicht mehr aus und sie erhängte sich. „Als ich von der Schule nach Hause kam, war die Haustür verschlossen; Mein Bruder und ich blickten durchs Fenster und da sahen wir unsere Mutter hängen. Ich war sechs, mein Bruder war drei und wir dachten, sie würde schaukeln,“ erinnert sich Naga.

Nach dem Tod der Mutter kamen Naga und sein Bruder in ein Waisenhaus. Ihr Vater war beruflich häufig unterwegs und kümmerte sich auch sonst wenig. Als Naga 14 war, starb sein Vater an Leberversagen. „Als wir erfuhren, dass unser Vater gestorben war, machte sich eine Hoffnungslosigkeit in uns breit. Ganz auf sich allein gestellt zu sein, ohne zu wissen, wie die Zukunft aussehen wird, ist hart. Es war eine dunkle, ungewisse Zeit, wir wussten nicht, was aus uns wird“, erzählt Naga mit Tränen in den Augen.

Einige Zeit nach dem Tod des Vaters, wandte sich Nagas Onkel an die Vicente Ferrer Stiftung in Indien (RDT) und bat um Unterstützung für die Brüder. Sie wurden in das Hilfsprojekt für Waisenkinder aufgenommen. Hier bekamen die Brüder Betreuung, Schutz und Zugang zu Bildung. So konnten Naga und Srinath ihre Ausbildung fortsetzen. „Das Einzige, was ich jetzt brauche, ist Bildung. Sie ist der Schlüssel zu einer besseren Zukunft für meinen Bruder und mich“, sagt Naga.

„Die Kinder sind intelligent. Leider mussten sie den Tod ihrer Eltern verkraften. Aber ich bin glücklich zu sehen, dass sie optimistisch in die Zukunft schauen“, sagt Ramajulu Reddy, der Onkel der Brüder, den sie in den Ferien besuchen. Naga hat kürzlich die Aufnahmeprüfung für das Ingenieurstudium bestanden und freut sich auf den Studienbeginn.

Die beiden sind sich sicher, dass ihre Zukunft nur mit Bildung gesichert werden kann: „Ich möchte Software-Ingenieur werden, einen guten Job finden und auf meinen eigenen Füßen stehen, mein Bruder ebenfalls. Wir haben jetzt nichts. Alles, worauf wir setzen können, ist unsere Bildung. Der Traum von einem guten Job und einer stabilen Familie für mich und meinen Bruder gibt mir Hoffnung für die Zukunft.“

*Die Namen wurden geändert, um die Privatsphäre der Personen zu schützen.

Text: Ernest Abhishek Paul  Übersetzung: Vicente Ferrer Stiftung in Deutschland



 




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