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Der Weg an die Spitze


August 24, 2023    VFS

 
Um als Sportlerin erfolgreich zu sein, sind Disziplin, Willensstärke und Zielstrebigkeit nötig. Diese Eigenschaften halfen Anusha Bareddy auch abseits des Sportplatzes Hindernisse zu überwinden, mit denen sie als Frau aus armen Verhältnissen konfrontiert war. Jetzt hat sie im Alter von 20 Jahren ihren größten Erfolg gefeiert: sie hat ihr Debüt in der indischen Frauen-Cricket-Nationalmannschaft gegeben.

Anushas Aufstieg war rasant: Nach ihren ersten Einsätzen bei den U23-Frauen und dem Gewinn des Asien-Cups im Juni 2023, dauerte es nicht lange, bis Anusha im Juli 2023 in die A-Nationalmannschaft der Frauen berufen wurde. Den ersten Einsatz von Anusha in Mirpur, Bangladhesh bei der Nationalmannschaft schauten sich ihre Eltern im 2.000 Kilometer entfernten Heimatdorf Bandlapalli an. „Als ich Anusha das erste Mal im Trikot der indischen Nationalmannschaft sah, bekam ich Gänsehaut. Aber in der Halbzeit mussten wir zurück aufs Feld“, erzählt ihr Vater, der wie ihre Mutter als Tagelöhner arbeitet.

Die Felder, auf denen ihre Eltern arbeiten, sind noch die gleichen, auf denen Anusha als Kind jedes Jahr in den Sommerferien aushalf. Doch an dem Tag, als ihr Sportlehrer 2014 ihr Cricket-Talent entdeckte, tauschte sie die Spitzhacke endgültig gegen den Cricket-Schläger. Sie wurde die erste Cricketspielerin an der Anantapur Sports Academy der Vicente Ferrer Stiftung in Indien (RDT). Ihre Zeit an der Sport-Akademie hat vielen anderen Mädchen aus der Region den Weg in diesen Sport geebnet. „Ich war das erste Mädchen im Cricket-Förderprogramm, es gab keine andere Spielerin. Ich habe immer mit den Jungen trainiert. Zwei Jahre später bekam ich die ersten Mitspielerinnen und jetzt gibt es ein ganzes Mädchen-Team. Das zeigt, wieviel sich auf dem Weg zur Gleichberechtigung bereits getan hat“, sagt Anusha zufrieden.

In zwei Monaten ist Anusha mehr gereist als in den 20 Jahren zuvor. Sie kommt aus einem kleinen Dorf im ländlichen Indien, wo von jungen Frauen erwartet wird, dass sie heiraten und eine Familie gründen. Anusha hat aufgehört zu zählen, wie oft sie in den letzten Jahren beschimpft wurde, weil sie Sport trieb und gemeinsam mit Jungen trainierte. Doch ihre Eltern standen immer hinter ihr und haben sie, soweit es ihnen möglich war, unterstützt. „Meine Eltern haben das Gerede im Dorf immer ignoriert. Sie gaben mir die Freiheit das zu tun, was ich liebe, und sie motivierten mich “, fügt sie hinzu.

„Als ich an der Anantapur Sports Academy anfing, hatte meine Familie viele Schulden und kein Geld, um Sportkleidung zu kaufen. Wie sollte ich eine Cricket-Ausrüstung bezahlen? Die Vicente Ferrer Stiftung in Indien (RDT) hat mich damals sehr unterstützt und unterstützt mich auch heute noch bei meinem Studium“, erzählt die Sportlerin. Anusha steht kurz vor den ersten Prüfungen ihres Rechnungswesen-Studiums und hat ihre Lehrbücher überall dabei. Sie ist so dankbar für die Möglichkeit ein Studium zu absolvieren. Das ist etwas, dass sie früher nicht für möglich gehalten hatte.

Auf dem Sportplatz können Mädchen und Frauen ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen und ihr Selbstwertgefühl stärken. Die Eigenschaften, die die Sportlerinnen auf dem Spielfeld erlernen und zeigen, helfen ihnen auch in anderen Lebensbereichen und treiben den sozialen Wandel hin zu mehr Gleichberechtigung voran. „Anfänglich fühlte ich mich im Training mit den Jungen unwohl und es bestand eine Distanz zwischen mir und ihnen. Doch schon nach kurzer Zeit war das vergessen und wir spielten gemeinsam das Spiel, das wir alle liebten. Ich merkte, dass ich mich nicht schämen brauchte, weil ich ein Mädchen war und wurde selbstbewusster “, erinnert sich Anusha.

Anusha Bareddy aus Anantapur ist zu der Ikone einer neuen Generation von Cricket-Spielerinnen geworden, die davon träumen, das zu erreichen, was sie geschafft hat. Sie zeigt, dass es für eine Frau aus einfachen Verhältnissen möglich ist, sich eine Karriere als Profisportlerin aufzubauen, zu studieren und unabhängig zu werden. Die Überwindung der eigenen Angst ist der erste Schritt. „Allen jungen Mädchen möchte ich sagen, dass Angst uns nicht daran hindern darf, zu wachsen und uns zu verbessern. Wir können unser Talent nicht zeigen, wenn wir in Angst leben. Wir werden nur Erfolg haben, wenn wir die Angst überwinden und Selbstvertrauen in unsere Fähigkeiten haben“, fügt sie an.

 

Text: Eva Galindo Soriano | Übersetzung Vicente Ferrer Stiftung in Deutschland



 




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